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San Francisco Learnings: Ohne Unabhängigkeit, ohne Sinn

 

 

Anfang 2010 bin ich von Hamburg nach San Francisco gezogen, um dort unser US-Office zu eröffnen. Was ich in den letzten zwei Jahren über verschiedene Standorte, Kommunikation und pendeln gelernt habe, möchte ich hier gerne teilen. Nicht US- oder San Francisco-bezogen, ich glaube, unsere Learnings lassen sich generell auf die Neueröffnung eines neuen Standortes übertragen.

 

Völlig falsche Vorstellungen

Kurz vorweg einmal meine Vorstellung, wie es mit unserem neuen Büro laufen sollte. Interessant ist, dass ich in den meisten Dingen sowas von komplett daneben lag - und nicht nur bei uns, sondern auch bei vielen anderen Unternehmen in der gleichen Situation habe ich diese typischen Fehler gesehen...

 
Die Idee war also folgende: Alle Leute aus den verschiedenen Büros würden ein großes Team sein. Sie würden verschiedene Projekte zusammen durchführen, gemeinsame Meetings haben und in unserem internen Workflow komplett integriert sein. Ich würde mit meinen Mitgründern Matthias und Fridtjof natürlich ganz leicht in Verbindung bleiben - tägliche Video-Konferenzen sollten es möglich machen. Ich lag soooo daneben.

 

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ich stellte relativ schnell fest, dass wichtige Meetings (z.B. unserer Country-Teams) stattfanden, ohne dass wir in den USA auch nur darüber informiert wurden. Oder dass sie zu Zeiten abgehalten wurden, die für uns mit neun Stunden Zeitunterschied nicht machbar waren. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein Großteil der Kommunikation passiert eben doch an der Kaffeemaschine, im Flurfunk etc. Es ist schlichtweg unmöglich für Büros an verschiedenen Standorten, so eine Art von Kommunikation (genau die, die dazu beiträgt, dass alle eben “ein Team” sind) aufzubauen.

 

Das gilt nicht nur für die Teams - auch mit meinen Mitgründern lief es so. Bei unseren Gesprächen hatten Fridel und Matze bereits einen ganzen Arbeitstag hinter sich und mein Tag startete gerade erst. Unsere Telefonate waren in der Regel daher kein großer Spaß und fühlten sich definitiv ganz anders an als unsere reguläre Kommunikation vorher zu gleichen Zeiten. Und dann fängt man an es schleifen zu lassen. Erst spricht man nicht mehr täglich, dann vergisst man Dinge und schließlich entfernt man sich sogar voneinander. Wir haben das zum Glück gut in den Griff bekommen: Wir sind dazu übergegangen, jeweils unser eigenes Ding zu machen und die Büros unabhängiger voneinander voran zu bringen. Außerdem flog ich alle sechs Wochen für einige Tage nach Deutschland. Wir zogen uns dann zu dritt für 1-2 Tage sogar komplett aus dem Büroalltag heraus (fuhren z.B. nach Cuxhaven), um wieder zu 100% persönlich und geschäftlich beieinander anzukommen. Für uns war das ein super wichtiger Schritt und funktionierte glücklicherweise sehr gut für die Zeit.

 

So viel Freiheit wie möglich

Daraus ergibt sich unsere wichtigste Lektion: Ein neues Büro an einem neuen Standort braucht so viel Freiheit wie möglich, um zu funktionieren. Ganz besonders dann, wenn es in einer anderen Zeitzone liegt. Nichts ist schlimmer, als ständig auf irgend etwas aus dem “Headquarter” warten zu müssen oder von Entscheidungsprozessen oder Workflows abhängig zu sein. Davon, wie sehr Innovationen und gute Ideen ausgebremst werden, wenn man mindestens einen Tag auf eine Antwort, eine Freigabe oder ein Feedback aus dem anderen Büro warten muss, will ich erst gar nicht sprechen. Motivierend ist es zudem auch nicht. Das Team im Ausland braucht unbedingt eine eigene Mission und die notwendigen Ressourcen, um diese auch umzusetzen.

 

In den USA sind wir inzwischen sogar soweit, einen CEO für unser SF-Office zu suchen (möchte jemand? Kennt jemand jemanden? Dann: spread the word!), um die Unabhängigkeit des Teams noch weiter zu stärken.

 

Es gibt noch so viel mehr Dinge, die ich gelernt habe und die ich in den kommenden Wochen/Monaten mit euch teilen werde. Folgende Themen sollen auf jeden Fall dabei sein - ich bin aber offen für Vorschläge, Fragen etc.

 

  • Die Verbindung zwischen den Teams stärken - “Austausch-Jimdos” besuchen sich möglichst oft an den unterschiedlichen Standorten
  • Online-Kommunikation: funktioniert nur dann richtig gut, wenn sie auf persönlichen Beziehungen aufbaut?
  • Warum sich unsere Partnerschaft mit KDDI in Japan wie ein eigenes Büro anfühlt
  • Ein Büro, eine Kultur. Wie man es schafft, trotzdem eine globale Unternehmenskultur zu behalten
  • Gründerspaltung: Gründer für die Eröffnung eines neuen Büros aufteilen?
  • Warum kleinere Büros immer das Gefühl haben, etwas vom Headquarter zu verpassen
  • Neues Büro = mehr Bürokratie - bzw. Basics wie Human Ressources, Steuern und so weiter
  • Wie wir versuchen, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Büros in einem so schnell wachsenden Unternehmen aufrecht zu erhalten

 

Wenn es zu dem Thema Sachen gibt, die euch unter den Nägeln brennen, immer her damit! Ich freue mich auf eure Meinung - per Kommentar oder Twitter. In den nächsten Posts versuche ich, auf alle Fragen einzugehen!

 

Bild: Jimdo

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Comments: 3
  • #1

    Lennart (Wednesday, 05 June 2013 11:21)

    Hallo Christian, sehr spannend! Danke, dass Du Eure Erfahrungen teilst. Und ich bin wirklich sehr gespannt auf die folgenden Ausgaben von "San Francisco Learnings", vor allem auf die Ausgabe: Wie wir versuchen, die Kommunikation […] aufrecht zu erhalten. Danke!

  • #2

    Manfredo (Tuesday, 23 July 2013 09:40)

    Hallo Christian, solche Infos kommen wie gerufen. Wir stehen vor der Entscheidung auch den Sprung zu wagen. Bin schon gespannt, wie's weitergeht/-gegangen ist. Bist du eigentlich noch in SF? Würde euch gerne mal besuchen kommen :).

  • #3

    3Founders (Tuesday, 23 July 2013 22:48)

    Moin Manfredo,
    ich bin häufig in SF, melde dich einfach per email. Mein Vorname @jimdo.com
    Christian