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Jimdo - Pages to the People!

Lernen durch Schmerzen

 

Wenn man ein Unternehmen aufbaut, läuft nicht immer alles leicht und problemlos - und natürlich hatten wir bei Jimdo auch schon unsere schweren Zeiten. Im Nachhinein kann man jedoch sagen, dass man in den härtesten Phasen auch immer am meisten gelernt hat. Eine unserer wichtigsten Lektionen: Manchmal muss man erst am eigenen Leib erfahren, was man nicht will. Dann kann man das, was man hat, erst so richtig schätzen. Und dass es sich lohnt, dafür auch mal nicht den einfachsten Weg zu beschreiten.

 

So ging es uns damals während und auch nach unserer Zusammenarbeit mit 1&1 (bzw. United Internet). Mit ihnen hatten wir uns 2008 einen Investor an Bord geholt, der unsere Software auch als Basis für ein eigenes Produkt für die 1&1 Kunden nutzen wollte. Mit vereinter Kraft wurde die Umsetzung durchgezogen, damit pünktlich zum Launch-Termin bei der CeBIT alles präsentierfähig stand. Und dann...

 

...fühlte sich auf einmal vieles falsch an. Schon während der Umsetzungsphase haben wir gemerkt, dass die Arbeitsweise der beiden Unternehmen nicht besonders kompatibel ist. Und im Laufe der Monate verstärkte sich das ungute Gefühl immer mehr; die Arbeit bei Jimdo fing an, keinen Spaß mehr zu machen, die Leichtigkeit und die eigene Identifikation drohten, verloren zu gehen und uns wurde klar: das müssen wir ändern. Hier müssen wir ganz schnell wieder raus - das sind nicht mehr wir.

 

Jimdependence Day: Der Weg in die Freiheit

Klar war also: so geht es nicht weiter. Viele unserer Mitarbeiter gingen auf dem Zahnfleisch, und auch wir hatten, gelinde gesagt, einfach keinen Bock mehr. Aber wie sollten wir hier wieder rauskommen? Einzige Möglichkeit: Wir mussten profitabel werden und unsere Freiheit (den 30%-Anteil) von United Internet zurückkaufen. Ab sofort war also Sparkurs angesagt - jeder Cent wurde einzeln umgedreht.

 

Im Rückblick war das eine ziemlich harte, aber auch eine tolle Zeit, die uns stark geprägt und noch enger zusammengeschweißt hat. Wir haben keinen einzigen Mitarbeiter entlassen, und andersherum hat auch kein einziger gekündigt und das Schiff verlassen. Wir haben alle geschlossen für ein gemeinsames Ziel gekämpft: Unabhängigkeit. Der Tag, an dem wir es offiziell geschafft hatten, wird seitdem nicht umsonst als "Jimdependence Day" gefeiert.

 

Unsere Learnings aus dieser Zeit:

1. Kultur und Menschen

Dadurch, dass wir gesehen haben, wie wir nicht werden wollen, können wir umso mehr schätzen, was wir haben. Diese Phase in unserer Unternehmensgeschichte ist auf jeden Fall einer der Gründe, warum wir so viel Wert auf Kultur legen und so stark auf die Menschen hier achten wollen.

 

2. Unser Produkt. Unsere Kunden. Unsere Verantwortung.

Wir wollen unser Produkt bauen und keine Agentur für jemand anderen sein. Einen Großteil seiner Zeit in das Account-Management für einen einzigen Großkunden zu stecken, fühlte sich einfach nicht richtig an. Für uns war klar, dass wir den Fokus komplett auf unsere Endkunden legen wollten  - um Jimdo weiter nach vorne zu rocken.

Wir wollen ein Produkt bauen, bei dem die Liebe zum Detail sowie die Nähe zum Endkunden deutlich wird und bei dem wir die Kritik und Feedback direkt vom Jimdo-Nutzer bekommen.

Mit dieser Entscheidung folgte für uns auch ein Strategiewechsel. Ursprünglich wollten wir mit der Kooperation mit 1&1 den riesigen Hostermarkt mit gestalten, um darüber unser Endkundengeschäft zu finanzieren. Die Entscheidung sich von 1&1 zu trennen machte vieles einfacher – und vor allem schneller. Wir konnten uns wieder voll und ganz auf die Weiterentwicklung unseres eigenen Produkts konzentrieren. Das war auch dringend nötig, denn durch die Integration bei 1&1 haben wir ca. zehn Monate Entwicklungszeit verloren.

 

3. Verhandeln.

Die Verhandlungen waren hart. Inzwischen war klar, dass 1&1 und Jimdo nach der Trennung Konkurrenten sein würden. Keiner war während der Verhandlungen bereit auch nur einen Zentimeter von seinem Standpunkt abzurücken. Da wir sicher sein wollten, gemeinsam die richtigen Entscheidungen zu treffen, führten wir die Verhandlungen mit 1&1 nicht wie üblich zu dritt, sondern nur zu zweit. Christian (der dritte im Bunde) hatte hingegen die Aufgabe, einen kühlen Kopf zu bewahren, um die Verhandlungsinhalte unvoreingenommen hinterfragen zu können. Und das erwies sich als goldrichtig! Im direkten Gespräch mit 1&1 waren wir ab und zu doch geneigt nachzugeben. Christian konnte uns immer wieder darauf fokussieren, warum wir nicht nachgeben dürften. Das hat zwar einige Sachen zäher und härter gemacht – aber es stand für uns zu viel auf dem Spiel. Letztendlich war es für uns eine sehr gute Verhandlungsschule.

 

Trotz der harten Zeit - das Ergebnis hat sich gelohnt. 1&1 ist raus, wir haben unsere Anteile zurück und wir sind wieder dabei, Jimdo mit Spaß so richtig vorwärts zu bringen. Und wie wichtig dieser Schritt ist, das begreift man manchmal eben erst später...

 

 

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Comments: 8
  • #1

    wortparade (Tuesday, 21 August 2012 16:27)

    Ein klasse Beitrag, der mir sehr gut gefällt. Ich fühle mich mit meiner Homepage bei euch super aufgehoben, toll betreut, habe noch nie auf eine Antwort warten müssen, und die Krönung war die handgeschriebene Postkarte vor ein paar Wochen, auf der ich freundlich als Jimdo-Mitglied begrüßt wurde. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ihr seid echt was Besonderes, und man hat als Kunde das Gefühl, willkommen zu sein und nicht nur "gemolken" zu werden. Bleibt euch treu!

  • #2

    Michael (Tuesday, 21 August 2012 16:59)

    Ein toller Beitrag. Jedoch finde ich es hätte noch ein bisschen detailreicher sein können. Es wäre schön gewesen noch zu erfahren was euch bei 1&1 so schlecht gefallen hat und was keinen Spaß gemacht hat.

  • #3

    Karola (Tuesday, 21 August 2012 17:25)

    Ein ehrlicher Beitrag, den ich total nachvollziehen kann. Er unterstreicht Eure Philosophie vom Arbeiten, Geld verdienen und Leben. 1 & 1 werden Euch nie erreichen! Schließlich haben die nur Dollarzeichen in den Augen, tolle Versprechungen auf der Zunge und natürlich viele, viele Ausreden, warum sie diese nicht halten können. Ich habe schon fast zwei Jahre meine Homepage bei Euch und fühle mich sehr gut aufgehoben. Mir ist es noch nie passiert, dass mich ein Unternehmen rechtzeitig anschreibt und mich daran erinnert, dass ich auch kündigen könnte, wenn ich Jimdo nicht weiter nutzen möchte. Beide Daumen hoch ... und kündigen? Ich bin doch nicht blöd!! :-)

  • #4

    Mittel gegen Schwitzen (Tuesday, 21 August 2012 20:42)

    Super ehrlicher Bericht! Es ist klasse von euch immer wieder mal einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen.

  • #5

    Marapulai Clothing (Friday, 24 August 2012 16:54)

    Einfach super der Beitrag! Und ja leider lernt man manchmal eben erst durch "Schmerzen". Wem ist das nicht schon so gegangen in seiner Existenzgründung. Ich finde es vollkommen richtig einer großen Firma auch mal die Stirn zu bieten.

    Man muss sich und seiner Firmenphilosophie treu bleiben, sonst wird man wie all die andern Firmen, bei den man früher schon mal gearbeitet hat und nur dachte.. "Oh man, hoffentlich werde ich mein Unternehmen nie so führen".

    Super Jungs! Schön, dass es den "Jimdependence Day" gibt!!
    LG vom Marapulai Team
    Saskia & Ilham

  • #6

    internetverzeichnis (Friday, 07 September 2012 21:18)

    Danke für diesen Einblick und weiter toi toi toi und viel Spaß beim weiter "nach vorne bringen"

  • #7

    Charmante Fundstücke (Thursday, 04 October 2012 10:50)

    Toller Beitrag! Weiter so!
    Viele liebe Grüße aus Kandern

  • #8

    Richard Klaucke (Thursday, 22 November 2012 22:37)

    Klasse Beitrag, schöner Schreibstil und tolle Hintergrundinformationen !

    Ihr habt ein klasse Produkt entwickelt und bringt eure Unternehmenskultur sehr symphatisch rüber.