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Jimdo - Pages to the People!

Die Schattenseiten des Exits

 

 

Vor ungefähr einem Jahr bin ich ins Silicon Valley gezogen und immer mehr denke ich, dass ein Exit von Entrepreneuren völlig falsch eingeschätzt wird. Jeder denkt, dass es etwas Großartiges ist sein Unternehmen zu verkaufen. Es steht in dicken Lettern im LinkedIn Profil „Meine Firma XY verkauft für X an X“, fast wie ein Titel „I did it!“. Aber habt ihr mal darüber nachgedacht, dass der für viele ersehnte Exit auch folgendes bedeuten kann:

 

  • Du hast es nicht geschafft, mit den Herausforderungen eines wachsenden Unternehmens zurechtzukommen.
  • Du hast deine Vision verkauft und alles was du aufgebaut hast.
  • Unter Umständen hast du Partner und Kunden unbewusst angelogen indem du das Unternehmen als langfristig und stabil erklärt hast.
  • Du hast es nicht geschafft ein profitables und langfristig stabiles Unternehmen zu bauen.
  • Deine Vision war nicht stark genug, um eine unabhängige und erfolgreiche Firma zu werden.

 

Vielleicht? Aber ich habe so etwas fast noch nie jemanden aussprechen gehört. Ich bin beeindruckt, dass US Unternehmer Scheitern als OK hinnehmen und einfach etwas Neues starten, das sieht man in Deutschland zu selten. Aber, liebe Unternehmer, mögt ihr bitte auch den Verkauf eures Unternehmens als Scheitern akzeptieren?

 

Ich habe drei Firmen gegründet und nie eine davon verkauft und darauf bin ich stolz. Meine erste Firma gründete ich mit Fridtjof, wir verkauften Computer und erstellen Webseiten für lokale Unternehmen. Unser erster Kunde, ein Fahrradladen in Cuxhaven, ist immer noch unser Kunde, jetzt bei Jimdo (www.mietrad.de). Mit 21 haben wir NorthClick zusammen mit Matthias gegründet. Wir haben eine Software entwickelt (die heute Jimdo ist) und mit dieser Webseiten für Unternehmen in Deutschland gebaut. Die Firma existiert noch und sie gehört noch uns. Wir ziehen langsam alle unsere Kunden zu Jimdo um und es kostet uns eigentlich mehr, als wir in den nächsten Jahren damit verdienen werden. Aber der Punkt ist, dass wir unseren Kunden versprochen haben, dass ihre Webseite bei uns in guten Händen ist, und das Versprechen halten wir.

 

Wir sprechen mit jedem, der bei Jimdo anfängt über unsere Vision, unsere Firmenkultur und darüber, dass ein Job bei uns langfristig ausgelegt ist. Aus diesen Gründen kommen und bleiben unsere Mitarbeiter. Wenn wir heute unsere Firma verkaufen würden, nur um viel Geld zu verdienen, dann hätten wir sie und uns selbst belogen. Der größte Erfolg für uns ist es, unsere Vision immer weiter wachsen zu sehen und Jimdo zu einem Platz zu machen, zu dem wir jeden Tag gerne hingehen.

 

Natürlich weiß ich, dass es auch gute Gründe gibt, sein Unternehmen zu verkaufen und dass man andersherum natürlich auch nicht nur die dunkle Seite des Exits gibt, aber: Liebe Unternehmer, denkt wenigstens mal darüber nach, euer Unternehmen selbst in der Hand zu behalten, es weiter wachsen zu sehen und verkauft nicht einfach so eure Vision! Danach neu anzufangen ist auch immer wieder eine großartige neue Herausforderung, aber weiter wachsen auch. Wer immer wieder von vorne anfängt, wird über einen gewissen Punkt niemals hinauskommen – und stellt sich somit auch keinen neuen unternehmerischen Herausforderungen...

 

 

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Comments: 12
  • #1

    Robin (Wednesday, 16 May 2012 17:30)

    Eure Philosophie, Lebensart und Unternehmensführung (so weit ich Einblick darin hatte) gefiel mir schon immer sehr gut. Weiter so, Jungs.

  • #2

    Alexander (Wednesday, 16 May 2012 18:34)

    Das nannte man früher "Geschäftsleute von Format". Es wäre schön zu sehen, dass es sieimmer noch gibt (ich kannte in 20 Berufsjahren nur wenige). Gutes Gelingen dabei ...die Philosophie stimmt auf jeden Fall... Ihr drei lebt sie offensichtlich! Alexander

  • #3

    design@monshausen.de (Wednesday, 16 May 2012)

    Hallo Jimdo, ich wußte garnicht das es schon so weit ist den Verkauf Eurer Firma zum Thema zu machen. Bin bis heute ein Jimdo Fan gewesen. Wer bekommt denn das Schätzchen jetzt? Steven Jobs hat da etwas länger durchgehalten. Informiert Ihr Eure Fangemeinde über weitere Schritte oder bekommen wir alles über die Tagespresse serviert? Viel Glück und viele Grüße, Ralph Monshausen

  • #4

    Hobo (Thursday, 17 May 2012 09:02)

    Moin Dude!

    Du schreibst: "Ich bin beeindruckt, dass US Unternehmer Scheitern als OK hinnehmen und einfach etwas Neues starten..."

    Ich denke, dass genau das eine extrem problematische Denke ist. Denn hinter dem Unternehmen stehen ja oft Angestellte, Zulieferer, Kunden deren Existenz zu nicht unerheblichen Teilen vom Gelingen der Unternehmung abhängt. Aus genau dieser amerikanischen Denke heraus kommen ja Sprüche wie "Hire and Fire" oder "Man lernt erst richtig durch Scheitern" und auch schnell wechselnde, sich mit dem Unternehmen nicht identifizierende Mitarbeiter.

    Wir brauchen tatsächlich mehr Unternehmer, wie Werner Otto, H.-H. Deichmann, Jörg Knoblauch etc., die bis zuletzt für den Erhalt der Firma und das Überleben der Angestellten und deren Familien kämpfen und ihnen täglich mehr, als vorgeschrieben zukommen lassen.

    Aus der Ferne scheint ihr das geschafft zu haben. Glückwunsch! (Wir wollten uns vor Jahren ja mal wieder getroffen haben - vielleicht ja bald mal).

    Der Hobo

  • #5

    Sven (Thursday, 17 May 2012 09:47)

    Spannende Ansicht, hört man selten. @Monshausen: in diesem Artikel geht es darum nicht verkaufen zu wollen ;)

  • #6

    Christian (Thursday, 17 May 2012)

    Moin Hobo,

    bei dem Scheitern als OK geht es eher um startups bzw. Neugründungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass man Scheitern kann, wenn man etwas ganz neues startet, vor allem wenn es noch nie vorher jemand versucht hat. Da gibt es auch nichts zu "retten" wie Arbeitsplätze bzw. es würde keinen Sinn machen.

    Insofern ist hier gemeint: Ohne die Bereitschaft zu Scheitern wird nichts großes angefangen werden können und da sind wir in Deutschland noch zu ängstlich.

    Christian

  • #7

    Hobo (Friday, 18 May 2012 08:23)

    Dann sind wir einer Meinung =)

  • #8

    Helmut Enzersberger (Monday, 21 May 2012 19:17)

    Danke! Tut gut so etwas von jemandem zu hören der nicht ausschließlich für Geld arbeitet! Wir engagieren uns seit Jahren für die Schmetterlingskindr und werden es noch lange machen!

  • #9

    Karsten Hoppe (Wednesday, 06 June 2012 22:01)

    Es imponiert mir, wie Ihr Euer Unternehmen aufzieht! Ich habe auch schon gehört, dass Ihr im Unternehmen einiges anders macht als üblich. Und auch in diesem Artikel gefällt mir, dass Ihr Euch selbst kritisch hinterfragt. Ich glaube, viele hören auf sich zu hinterfragen, sobald es "gut" läuft. Dabei beruht der Erfolg häufig auf dem Wollen, etwas "besser" zu machen als andere. Und wie Du schon schreibst: Es kommen neue Aufgaben auf einen zu. Wer ein Jimdo - wahrscheinlich zu Beginn in einem kleinen Team - entwickeln kann, muss noch lange kein guter Chef eines 100-Mann-Unternehmens sein - das sind einfach vollkommen andere Herausforderungen (Euch traue ich das aber zu ... Ich bin da noch lange nicht... ;-). Ein großes Vorbild in Sachen Unternehmertum, Mitarbeiterumgang, -motivation und Managementmethoden ist für mich Warren Buffett. Er würde Dir komplett zustimmen - Mitarbeiter und Kunden zu belügen und sich selbst abzufeiern sind langfristig nicht die richtige "Methode"... Wenn Du noch nichts von ihm gelesen haben solltest, gebe ich Dir gern ein paar Buchtipps (wenn Du welche haben solltest: Immer her damit...;). Dein Artikel hier könnte jedenfalls direkt von ihm stammen. ToiToiToi weiterhin!

  • #10

    Tom de Toys (Tuesday, 12 June 2012 19:09)

    staunend reibe ich mir die augen: ist das ein traum? wow, jimdo als vorreiter in eine "menschenfreundliche virtuelle welt", echt cool! gut daß ich damals meiner intuition folgte, als eure werbe-anzeige auf meinem fb-profil erschien, denn "normalerweise" hasse ich werbung und ignoriere sie einfach, aber irgendwie "mußte" ich euch anklicken, und wurde prompt jimdoist :-) DANKE FÜR EURE OFFENE UND FRISCHE ART ZU KOMMUNIZIEREN - UND DANKE FÜR DAS SUPER DESIGN-ANGEBOT!!! VIEL ERFOLG WEITERHIN (SAGE ICH NATÜRLICH GANZ EGOISTISCH)!!!! aus düsseldoof, der tom

  • #11

    Hubertus (Wednesday, 27 June 2012 14:34)

    Bravo, ich würde aus Prinzip auch niemals investieren, wenn die Köpfe nur auf einen Exit aus sind.
    MfG
    Hubertus

  • #12

    Tom de Toys (Tuesday, 25 September 2012 08:57)

    guten morgen, silicon valley :-) lieber christian, irgendwie mußte ich grade beim ersten kaffee nochmal diesen deinen wundervollen blog-eintrag lesen und da machte es klick: die sache mit dem WACHSEN ist wie in der liebe!!! entweder man trennt sich schnell wieder (weil man sich "entliebt" hat) oder man traut sich, MITEINANDER ZU WACHSEN und den anderen WIRKLICH als den zu lieben, der er ist: der ANDERE, der einen ruhig auch mal langweilen oder nerven darf - wie eine firma oder ein projekt, das man schon so lange betreibt, das einem die "abwechslung" vielleicht irgendwann zu fehleln scheint! tja, firma & liebe ist wohl für viele ein komischer vergleich, denn sie schleppen sich frühmorgens in ihr büro und sind froh, wenn die schicht um ist. und genau darum bin ich mit jimdo genauso glücklich wie in der liebe (endlich, hahah): DU gehst gerne zu deiner firma und "pflegst" sozusagen deine "beziehung" zu deiner eigenen vision, wie in einer ehe. also, amn sieht daran: ehe muß sich nicht automatisch wie ein konservativer käfig anfühlen sondern kann der ausdruck echten glücks sein :-) puh, nach diesen hochtrabenden gedanken brauch ich jetzt aber einen zweiten kaffee :-))) LIEBE GRÜSSE AUS DEUTSCHLAND (DÜSSELDORF) - HELAAF!!! das war nochmal der tom